SHT-Fachtage in Treuchtlingen

Schädelhirntrauma und individueller Lebensentwurf - ein Widerspruch?

Eine ebenso außergewöhnliche wie anspruchsvolle Fachtagung, initiiert und organisiert von Regens Wagner Absberg, fand am 11. und 12. September 2014 in Treuchtlingen auf dem Hochschul Campus sowie der Tagesstätte Regens Wagner Treuchtlingen statt. Bereits das Fachtagungsmotto „Schädelhirntrauma und individueller Lebensentwurf ­ ein Widerspruch?“, deutete Komplexität und Tiefe einer Thematik an, die, nicht zuletzt durch den tragischen Unfall von Formel 1-Weltmeister Michael Schumacher, verstärkt in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangt ist. Moderiert vom Pressereferenten der Caritas Eichstätt, Peter Esser, wurden Aspekte sozialer Teilhabe und Nachsorge aus Sicht von Betroffenen und Betreuern vorgestellt.

In seiner Begrüßung am Fachvortragstag betonte Dr. Hubert Soyer, Gesamtleiter Regens Wagner Absberg, dass dieser Widerspruch immer wieder erfahren werde. Der traumatische Zustand sei ein lange währender Prozess, der nicht nur den Hirnverletzten betreffe sondern besonders auch jene, die in Gemeinschaft mit diesem lebten. Die Betroffenen und ihre Angehörigen stünden vor der Aufgabe, ihr Leben nach einem schweren Trauma, das mit einer Hirnverletzung des Betroffenen und mit einer gravierenden Veränderung des gesamten sozialen Systems einhergeht, neu zu organisieren und zu gestalten.

Authentischer Einblick

Was dies konkret bedeutet, wurde im Anschluss an die einleitende Präsentation durch Treuchtlingens  Bürgermeister Werner Baum, der unter anderem die regionalen  Barrierefreiheit-Bemühungen ansprach,  deutlich: Der nach einem Hirninfarkt halbseitig gelähmte Regens-Wagner-Bewohner Oliver B. und seine Mutter Irmgard gaben einen authentischen Einblick in ihre gewandelte Lebenssituation und ihren Alltag. Dabei wurden nicht nur, aus Sicht von Gesunden, kleine Wünsche deutlich, wie „Zahnpasta alleine auf die Zahnbürste zu bekommen“, sondern auch die Probleme von Angehörigen bei der Bewältigung von Formularen und Anträgen bei Kassen, Kliniken und Behörden. Gleichzeitig machten Mutter und Sohn sich und anderen Mut mit dem gelebten Leitspruch „gemeinsam schaffen wir das“.

Anschließend berichteten zwei Betreuer über ihre Arbeit einer Intensivgruppe von Menschen mit Behinderung nach Schädel-Hirn-Trauma. Vorgestellt wurden die in den Wohngemeinschaften und Tagesstätten von Regens Wagner beständig weiterentwickelten Rahmenbedingungen, Angebote und Konzepte, um Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am gesellschaftlichen Leben unterstützend zu begleiten. Ziel sei stets „die personzentrierte Bewältigung neuropsychologischer Störungen auf motorischer, kognitiver, emotionaler und sozialer Ebene immer in Dialog mit dem jeweiligen Betroffenen“. Ein strukturierter, individueller Wochenplan mit an den Bedürfnissen der Bewohner angepasstem Tagesablauf sei dabei von entscheidender Bedeutung.

Kinaesthetics-Vortrag bringt Bewegung

 Mit Norbert Feldmann und Peter Webert demonstrierten zwei Experten für Kinaesthetics die Komplexität einfacher Bewegungsabläufe und zeigten anschaulich, mit welchen Techniken und Handgriffen pflegebedürftige Menschen durch ihre Bewegungskompetenz in ihrer eigenen Bewegung lern- und gesundheitsfördernd unterstützt werden können. Diesbezügliche Versuche im gut besuchten Plenum, darunter auch der Vorsitzende des Stiftungsvorstands Regens Wagner, Rainer Remmele,  machten deutlich, dass entsprechende Hilfestellungen durchaus anspruchsvoll sind und, neben gegenseitigen Vertrauens, Fachwissens, Trainings und einiger Erfahrung bedürfen.

Manfred Rehm, Musiktherapeut und Bereichsleiter Regens Wagner Treuchtlingen, stellte nicht nur die Bedeutung seines Therapieansatzes als Kommunikations- und Selbstwahrnehmungsmöglichkeit selbst für schwerstbehinderte Menschen vor, sondern bildete, gemeinsam mit Regens-Wagner-Bewohnern den musikalischen Rahmen für die Veranstaltung.

 

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